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Wenn von 9 bis 17 Uhr nicht existiert: Wenn die Arbeit einfach kein Ende nimmt

Ich hatte noch nie Angst vor harter Arbeit.

Jahrelang war ich im Beruf unterwegs, hatte verantwortungsvolle Positionen und einen anspruchsvollen Job. Aber harte Arbeit hörte für mich längst nicht am Schreibtisch auf. Als wir unser Haus renoviert haben, habe ich selbst körperlich mit angepackt – beim Umbau, beim Mauern oder beim Dämmen des Dachs. Ich weiß ganz genau, wie es sich anfühlt, von Arbeit richtig platt zu sein.

Umso mehr hat es mich überrascht, wie sehr eine ganz bestimmte Arbeit meine Perspektive verändert hat – eine Arbeit, die man eigentlich gar nicht so nennt.

Als ich mit dem Kind zu Hause geblieben bin, habe ich angefangen, das Thema Arbeit noch mal mit ganz anderen Augen zu sehen.



Wenn du in einer Firma arbeitest, kommst du nach einer Weile in einen gewissen Rhythmus. Du stehst morgens auf, machst Kaffee, Frühstück, fährst ins Büro. Du setzt dich an den Schreibtisch und weißt mehr oder weniger, was zu tun ist.

Jemand hat deine Aufgaben definiert. Jemand hat Erwartungen. Es gibt Meetings, Fristen, Projekte, Prioritäten.

Du machst dein Ding.

Und wenn der Arbeitstag vorbei ist, klappst du den Laptop zu, gehst aus dem Büro und fährst nach Hause.

Du kannst einkaufen gehen, etwas kochen oder aufräumen. Du kannst das Wochenende planen. Dich mit Freunden treffen. Einen Film schauen.

Ich sage nicht, dass ein Angestelltenjob leicht ist.

Aber er hat eine Sache, die ich jahrelang wohl gar nicht zu schätzen gewusst habe.

Er hat Grenzen.

Wenn du mit dem Kind zu Hause bleibst, lösen sich diese Grenzen plötzlich in Luft auf.

Von außen mag das aussehen wie der einfache Weg.

„Du bist ja nur zu Hause.“ – du machst ja „nichts“.

Du musst morgens nicht aufstehen, dich fertig machen und ins Büro hetzen. Du musst dir den Konzernkram, die Meetings, die E-Mails und den Druck nicht antun.

Die Arbeit zu Hause. Die, die man irgendwie so nebenbei macht. Die, die man oft gar nicht sieht. Die, die eigentlich nie aufhört. 

Zu Hause zu sein bedeutet ganz bestimmt nicht, dass man weniger zu tun hat.

Denn wer überlegt sich:

 was es zum Mittag-, Frühstück-, Abendessen oder als Nachmittagssnack gibt? 

Wer prüft, ob alle saubere Klamotten haben? 

Wer entfernt die Flecken, kauft Neues, putzt die Schuhe? 

Was muss gewaschen werden, was muss aus der Waschmaschine raus, was ist ausgegangen? 

Haben alle noch Sachen in der passenden Größe? 

Haben die Katzen Futter bekommen? 

Ist das Katzenklo sauber? 

Haben wir noch Waschmittel, Medizin, Shampoo und so weiter und so fort? 

Gibt es genug Vorräte an Essen und Trinken? 

Was muss im Haus gemacht werden, was im Garten, was im Bad? 

Und wenn es in den Urlaub geht – wer denkt daran, was alles eingepackt werden muss?

Und das sind nur die Dinge, die man sieht.

Dazu kommt das Kind. Seine Bedürfnisse, der Kindergarten, Termine, Ärzte, Anziehsachen, Essen, eine Million kleiner Entscheidungen – jeden Tag.

Und ich habe zusätzlich noch mein eigenes Unternehmen.

Umsatzsteuer. Steuern. Buchhaltung. Produkte. Die Website. Alles, was keine Finanz-, Marketing- oder HR-Abteilung für mich übernimmt.

Und eigentlich würde ich manchmal auch gerne einfach zum Arzt gehen. Mich um mich selbst kümmern. Lesen. Etwas Neues lernen. Etwas nur für mich tun.

Nur dass ich das nicht einfach „nach der Arbeit“ machen kann.

Denn wann genau ist diese Arbeit eigentlich vorbei?

Und genau das hat meine Perspektive wohl am stärksten verändert.

Zu Hause zu sein heißt keineswegs, keine Arbeit zu haben.

Es ist eine Arbeit, die man extrem oft nicht auf morgen verschieben, an jemand anderen abgeben oder um 17 Uhr einfach mit dem Laptop zuklappen kann.

Und manchmal erwische ich mich sogar bei dem Gedanken, dass es für mich einfacher wäre, wieder in ein Büro zurückzukehren.

Zur Arbeit zu gehen, meine Karriere zu machen, jemanden einzustellen, der den ganzen Rest schmeißt, und einfach zu sagen: „Das hier sind meine acht Stunden, und danach habe ich frei.“

Denn wenn du zu Hause bist, sind irgendwie alle Aufgaben deine Aufgaben.

Und ich glaube, erst jetzt verstehe ich wirklich, warum die Rückkehr an den Arbeitsplatz für manche Frauen nicht nur eine Rückkehr zur Karriere ist, sondern auch… eine Erleichterung.?!?

Nicht, weil die berufliche Arbeit im Büro einfacher wäre.

Sondern einfach, weil sie einen Anfang und ein Ende hat. Sie hat Grenzen.

Und das Leben zu Hause? Das läuft ununterbrochen weiter. Da gibt es keinen Feierabend.

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